Prager Burg / Hradschin

Alexandra, Inga, Eva und Steffi zur

Prager Burg (Hradschin) / Prag – Tschechien  

Historie                                      

2. Hälfte des 9. Jh. - Anlage eines Burgwalls

920 - Fürst Wratislav erbaut die Kirche des Hl. Georg auf dem Burgberg.

926 - Gründung der Rundkirche von St. Veit.

973 - Seit Gründung des Prager Bistums ist die Burg Sitz des Landesbischofs.

Mitte 11. Jh. - Der Burgwall wandelt sich zur romanischen Fürstenburg.

1035-1055 - Regierungszeit Fürst Bretislav I. Befestigung des Burgberings mit Mauern aus Pläneerkalkstein.

1055-1092 - Unter den Fürsten Spytihnev II. und Vratislav II. wird die große St. Veitsbasilika erbaut.

1. Hälfte des 12. Jh. - Verstärkung der Burgmauern. Die von Bretislav errichteten Mauern werden auf 14 m aufgestockt. und mit massiven Wehrtürmen versehen.

1125-1140 - Regierungszeit Fürst Sobeslav I., welcher den großen Fürstenpalast am

Südende des Hradschins nach westlichen Vorbildern erbauen lässt.

1253-1278 - Unter König Premysl Ottokar II. wandelt sich die alte Königspfalz zu einem Königspalast mit gotischen Arkaden. In die Burganlage wird die westliche Vorburg einbezogen. Es erfolgt eine weitere Verstärkung der Burgmauern.

14. Jh. - Zur Zeit der Luxemburger auf Böhmens Königsthron erreicht die mittelalterliche Bautätigkeit ihren Höhepunkt.

1344 - Baubeginn einer Kathedrale anstelle der alten Basilika. Baumeister ist bis zu seinem Tod Meister Mathias von Arras, vollendet wird der Bau durch seinen Nachfolger Meister Peter Parler.

1383 - König Wenzel IV. siedelt von der Burg über in die Stadtresidenz. Für fast ein

Jahrhundert verwaist die Burg.

1471-1516 - Regierungszeit König Wladislavs II., welcher seinen Sitz wieder auf der Burg, dem Hradschin, nimmt. Es folgt eine rege Bautätigkeit von 1490 bis 1510.

1526 - Mit Ferdinand I. zieht das Haus Habsburg auf der Burg ein. Die mittelalterliche Burg wird den Erfordernissen der Zeit angepasst.

1541 - Großer Prager Stadtbrand, dem auch die Burg zum Opfer fällt. Anschließend erfolgt ein Neu- bzw. Wiederaufbau.

1918 - Die Burg wird nach der staatlichen Selbstständigkeit der Tschechislovakei Sitz des Regierungsoberhauptes.

(Quelle: Hugo Rokyta und Jiri Hilmera - Burgen und Schlösser in den böhmischen Ländern, 1965)

In Prag, die damals als dritt größte Stadt galt, wurde um das Jahr 1320 Hradcany,  Hradschin gegründet. Das Stadtviertel Hradcany ist heute der kulturhistorischbesterhaltene Stadtteil Prags und bildet zusammen mit der Burg eineinzigartiges Bild, in dem die Atmosphäre vergangener Zeiten bis in die Gegenwart geblieben ist. Die Prager Burg (Hradschin) ist das Wahrzeichen von Prag. Die teilweise über 1000 Jahre alte Burg wurde auf einem etwa 70 Meter hohen Hügel erbaut und thront daher schon von weitem sichtbar über der Innenstadt von Prag..  Das leicht abschüssige Areal war vorher von etlichen Bürgerhäusern umgeben. . Nach einem großen Brand im Jahr 1541, entstanden die Adelspaläste am Hradschiner Platz.

 

Die Burg ist eigentlich ein riesiger Komplex mehrerer verschiedener Gebäude. Sie beinhaltet drei Burghöfe auf denen sich unter anderem der St. Veits Dom, die St. Georgs Basilika, Kapellen, Türme und andere Gebäude befinden, die durch kleine malerische Gassen miteinander verbunden sind. Umgeben ist die Prager Burg von einigen herrlichen Gartenanlagen. Die Burg spielte eine wichtige Rolle in der europäischen Geschichte: Hier kam es 1618 zum Zweiten

Prager Fenstersturz.

Die angeblich größte bewohnte Burg der Welt ist seit dem 9. Jh., von einigen kürzeren Unterbrechungen abgesehen, das machtpolitische Zentrum Prags und Böhmens. Auch heute residiert hier der Präsident der Tschechischen Republik, internationale Staatsgäste gehen ein und aus. Das Eingangstor der Prager Burg auf dem Hradschin wird von den Kämpfenden Giganten des Bildhauers Ignaz Platzer bewacht, sowie von den Posten der Burgsoldaten.

 

Architektur

Zahlreiche Könige und Kaiser hinterließen  ihre baulichen und architektonischen Spuren an der Prager Burg

Ein Besuch der Burg ermöglicht daher eine Zeitreise durch die verschiedenen Epochen der Baukunst.  Die ältesten Teile der Prager Burg sind über 1100 Jahre alt. Von der ersten Steinkirche der Burg aus dem späten 9. Jahrhundert wurde das Fundament freigelegt. Im 11. Jahrhundert begann in der Baukunst das Zeitalter der Romanik. Einige Grundmauern aus dieser Zeit sind noch heute weitestgehend original erhalten. Als Prag im 14. Jahrhundert zum Erzbistum wurde, errichtete man gotische Gebäude wie den Veitsdom die größte Kirche Prags, ein Vorzeigeobjekt gotischer Kathedralenkunst. Andere wunderbare Bauwerke der Prager Burg stammen aus dem Zeitalter des Barock, der Renaissance und aus dem Neoklassizismus..

Burgführung

Die Besichtigung der Prager Burg beginnt man am besten über den Ersten Burghof. Am Eingang stehen die Plastiken der kämpfenden Giganten von Ignaz Platzer. Die täglich um 12 Uhr auf dem Burghof (auch Ehrenhof genannt) stattfindende Wachablösung erinnert ein wenig an die Zeremonie im Windsor Castle bei London. Zu jeder vollen Stunde gibt es eine Kurzversion der Wachablösung zu sehen. Die heutigen schlichten Gebäude um den Ehrenhof ließ Maria Theresia in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts von dem Architekten Pacassi errichten. Das im barocken Stil errichtete Matthias-Tor stammt hingegen bereits aus dem Jahre 1614, wurde aber in den jüngeren Bau eingearbeitet. Auch die Fassaden des Zweiten Burghofes wurden von Pacassi zum Ende des 18. Jahrhunderts gestaltet, obwohl die Gebäude selbst bereits aus dem 16. Jahrhundert stammen. Auf dem Zweiten Burghof steht die Heilig-Kreuz-Kapelle. Diese im barocken Stil gestaltete Kapelle beherbergte einst für lange Zeit den Domschatz, der unter anderem aus einigen wertvollen kirchlichen Utensilien besteht. Weiteres Highlight des Zweiten Burghofes ist die Burggalerie, wo sich unter anderem Werke von berühmten Künstlern wie Rubens oder Tizian befinden. Der Dritte Burghof enthält die interessantesten Teile der Burg: den Alten Königspalast, den Veitsdom, die St.-Georgs-Basilika und die Nationalgalerie.

Blickfang der Prager Burg ist der Veitsdom. Seine Türme überragen nicht nur die Prager Burg sondern auch die gesamte Stadt. Begonnen hat die Baugeschichte des Veitsdom im 10. Jahrhundert mit der Errichtung einer romanischen Rotunde (ein überkuppelter Rundbau). Nachdem Prag zum Erzbistum wurde, ließ Karl IV. ab 1344 diese prächtige Kathedrale im gotischen Stil errichten. Die Bauarbeiten dauerten schließlich bis 1929, als fast 600 Jahre! Im Veitsdom wurden viele Könige gekrönt und hier befindet sich auch die GruftDer böhmischen Herrscher. Man erreicht diese Gruft über die Heilig-Kreuz-Kapelle. Die Architektur der Kathedrale beeindruckt nicht nur von außen, sondern auch bei einer Besichtigung der prachtvollen Innenräume. Die im Sommer mögliche Besteigung des Turmes lohnt sich sehr,denn von hier hat man einen herrlichen Blick über Prag.

Die größte Attraktion des Alten Königspalastes ist der um 1500 errichtete Vladislav Saal. Dieser Saal enthält keine Stützpfeiler, sondern kommt trotzseiner riesigen Ausmaße (ca. 60 Meter Länge, ca. 20 Meter Breite, ca. 15 MeterHöhe) allein mit einem Stützgewölbe aus. Dies war im Mittelalter eine technische Meisterleistung. Im Alten Königspalast kann man sich außerdem andere romanische und gotische Säle ansehen, so auch den Saal, welcher Schauplatz des Zweiten Prager Fenstersturzes von 1618 wurde. Von derAussichtsterrasse des Palastes hat man einem wunderschönen Blick auf dieUmgebung.

Der Obelisk auf dem Burghof erinnert an die Opfer des Zweiten Weltkrieges. Der gotische Mihulka Turm, der zur Befestigung der Burganlage erbaut wurde, diente später den Alchimisten des Königs als Laboratorium. Hier wurden auch die ältesten Teile der Burg ausgegraben.

Die St.-Georgs-Basilika, die um 920 errichtet wurde, ist der bedeutendsteromanische Kirchenbau der Stadt. Zwar wurde ihre Fassade im Nachhinein imbarocken Stil gestaltet, aber im Inneren kann man auch heute noch dieromanischen Formen (z.B. die kleinen Rundbogenfenster) betrachten, dieweitestgehend originalgetreu rekonstruiert wurden. Neben der Basilika stehtdas St.-Georgs-Kloster. In den Räumen des Klosters befindet sich eineSammlung von historisch wertvollen Plastiken und Gemälden derNationalgalerie.

Ganz am Ende des Burgkomplexes erreicht man schließlich das Goldene Gässchen. Auf beiden Seiten der Gasse stehen kleine bunte Häuser, die aus dem 17. Jahrhundert stammen und in denen einst Bedienstete der Burg wohnten. Später waren die Häuschen Wohnungen von Künstlern wie zum Beispiel Franz Kafka. Im Goldenen Gässchen herrscht jeden Tag ein buntes Treiben, denn mehr als tausend Touristen besuchen jeden Tag die kleine Gasse, in der man vor allem Souvenirs kaufen kann.

Umgeben ist die Prager Burg von wunderschönen Gartenanlagen, wie demKönigsgarten, Wallgarten oder Paradiesgarten. Bei schönem Wetter ist einSpaziergang durch die Gärten genau das richtige, um den Besuch der Burgabzurunden.

Prager Burg:

Metro: Haltestelle Staromestská, Malostranská (Linie A)

Straßenbahn: 22, 23

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© Jürgen  Bucksch