lesezeiten und reisezeiten

Das Theater der Antike

Rekonstruktion des Theaters von Priene

Hell_1__1_

Das Theater hat sich in allen Kulturen aus religiösen Kultspielen entwickelt.

Das griechische Theater vor Aristoteles

In Griechenland steht zu Beginn der Entwicklung der Dionysoskult. Bis 600 v. Chr. werden zu Ehren des Dionysos Prozessionen und Chorwettbewerbe veranstaltet. Eine kurze und stürmische Entwicklung im 5. Jahrhundert führt zu immer komplizierteren Handlungen, deren Darstellung immer mehr Einzelsänger (Schauspieler) und eine Einführung verlangt. Die Rolle des Chors wird zunehmend unwichtiger.

Aristotelisches Theater

Aristoteles (364-322 v. Chr.) hat in der ‘Poetik’ Geschichte, Aufbau und Wirkung des Attischen Dramas beschrieben. Er selbst hatte durch diese theoretische Schrift keinen Einfluss mehr auf die Entwicklung des Theaters, die Blütezeit des griechischen Dramas war schon vor seinen Lebzeiten beendet. Seine Prinzipien haben jedoch das Theater bis zur Gegenwart beeinflusst.

Aufbau der Tragödie

Prolog (1 oder 2 Schauspieler) - Parodos
Chorf_hrer_1_  Einzugslied des Chores / Abbildung: Chorführer )    - 5 Episoden (unterbrochen von den Standliedern des Chores : Stasimon) - Exodos (Abgangslied des Chores)

Tragödien stammen u.a. von Aischylos, Sophokles und Euripides .

Komödien von Aristophanes

Wie alle Theater der Antike besteht das Theater von Miletos aus dem Bühnengebäude, dem Orchestra-Teil und der Cavea (dem Teil des Theaters für Zuschauer) und hat an der Vorderseite Stadtmauerruinen. Das zweistöckige und 34 m breite Bühnengebäude erhielt in römischer Zeit ein weiteres Stockwerk und wurde dadurch dreigeschossig.

Die ‘Poetik’ des Aristoteles

Tragödie, Epos und Komödie haben gemeinsam die Nachahmung. Das Epos setzt sich aus lose zusammenhängenden Episoden zusammen, nur die Gestalt des Helden verbindet. Im Gegensatz dazu soll in der Tragödie eine geschlossene Handlung dargestellt werden, das heißt kein unwichtiger Teil soll hinzugefügt und kein wichtiger Teil soll weggelassen werden. Die Tragödie schöpft ihre Inhalte aus der griechischen Sagenwelt, die Komödie schildert erfundene Handlungen, sie zeichnet die Charaktere ungenauer als die Tragödie.

Rede, Musik und Szenerie sind Mittel der Nachahmung von Charakter und Mythos. Absicht ist, beim Zuschauer (siehe Abbildung: Zuschauer auf einer frühen Holzbühne = “ikria” - nach dem Einsturz bei der 70 Olympiade 499-496 v. Chr. wurden durch Steintribünen ersetzt.)durch Furcht und Mitleid eine Läuterung zu erreichen (Kartharsis).

Als Eintrittserlaubnis wurden in der Regel Bronze-Münzen ausgegeben.
Publikum_1_
Zuschauer

Alle freien Bürger, wenige Sklaven und Frauen konnten an den zahlreichen Zerstreuungen teilnehmen. Im Theater spielte sich das öffentliche Leben ab. Die Aufführungen dauerten vom Sonnenaufgang bis zum Sonnenuntergang. Die Teilnahme der Zuschauer reichte von ekstatischem Beifall über Unruhe bis zur körperlichen Züchtigung der Schauspieler. Preisrichter und und Zuschauer stimmten über die Stücke ab. Die Stücke wurden nur einmal gespielt. Wiederholungen ‘klassisch’ gewordener Stücke gab es erst relativ spät. Tragödien-Wettbewerbe dauerten mehrere Tage.

Besonders beliebt waren beim Publikum Satyrspiele, in denen die Satyrn mit ihrem Vater Silen z.B. zur Hochzeit aufrufen

Das Theater im Leben der Römer

Das Theater im von der Polis geprägten Lebensgefüge der griechischen Demokratie ist etwasGrundanderes als das Theater im machtsrebenden Obrigkeitsstaat von Rom.      

Das Theater ist dort kein Kulturanliegen, sondern ein Zerstreuungsfaktor. Weltliche Effekte ersetzen religiöse Affekte. Das Publikum nimmt nicht an der Bewertung der Stücke teil, Theater ist ein Geschenk der Obrigkeit. Die Regierenden ordnen die Spiele an, sie bestimmen z.T. deren Struktur. Brot und Spiele werden als “Recht” des Volkes angesehen. Das Publikum hatte die Wahl zweischen drei Spielarten:

    Zirkus (‘circenses’)
    Amphitheater (‘munera gladiatorum’)
    Theater (‘ludi scaenici’)

Das Theaterpublikum war die Minderheit. Im Zirkus verfolgten dagegen häufig bis zu 150.000 Menschen Wettrennen. Bei den Rennen gab es Favoriten verschiedener sozialer Schichten, die in den Farben weiß, rot, blau und grün antraten, auf die jeweils bestimmte Gruppen hofften. Die Sieger genossen großes Ansehen. Im Amphitheater fanden Tierhatzen und Gladiatorenkämpfe statt, die sich aus Bestattungsritualen entwickelt hatten. Das Publikum konnte u.U. Einfluss auf die kaiserliche Entscheidung über Leben und Tod nehmen.