lesezeiten und reisezeiten

Georg Rodolf Weckherlin An das Teutschland

Georg_Rodolf_Weckherlin

1584 - 1653 Georg Rodolf Weckherlin war ein höfischer deutscher Lyriker der Spätrenaissance.

Weckherlin studierte 1599 bis 1604 Jura in Tübingen und  unternahm Bildungsreisen durch Deutschland, Frankreich und England. 1606 trat er in den württembergischen Staatsdienst ein. Ab 1607 war er mit  mehreren  Unterbrechungen bis 1617 in England, wo er sich mit  Elizabeth Raworth verlobte und vermutlich seine ersten Verse verfasste.  Seit 1616 war er Sekretär und Hofdichter des Herzogs Johann Friedrich  von Württemberg.

1620 ging er erneut nach England, wo er ab 1626  Privatsekretär des englischen Außenministers Lord Conway wurde. Unter  Oliver Cromwell schied er 1649 aus dem Staatsdienst aus und eventuell  half er seinem  Nachfolger John Milton während einer Übergangszeit bei  der Einarbeitung.

Weckherlin verstarb 1653 hochangesehen in London. Sein Enkel war Sir William Trumbull, ein Jugendfreund von Alexander Pope.

Weckherlins Hauptleistung war die Einführung kunstvoller Odenformen nach dem Vorbild der französischen Lyriker Pierre de  Ronsard, Clément Marot und Joachim du Bellay in die deutsche Literatur.  Daneben verfasste er  höfische Dichtungen, Gesellschaftslieder, Eklogen und  Sonette.

1618-19 erschien die Erstausgabe seiner Oden und Sonette, 1641 ein Band Geistliche und weltliche Gedichte. Eine Edition seiner sämtlichen  Gedichte von Hermann Fischer in drei Bänden erschien zwischen 1893 und 1907.

 

An das Teutschland

Zerbrich das schwere joch, darunder du gebunden,

o Teutschland, wach doch auf, faß wider einen mut,

gebrauch dein altes herz und widersteh der wut

die dich und die freiheit durch dich selbs überwunden.

Straf nu die tyrannei, die dich schier gar geschunden,

und lösch doch endlich aus die (dich verzehrend) glut

nicht mit dein eignem schweiß, sondern dem bösen blut,

fließend aus deiner feind und falschen brüdern wunden.

 Verlassend dich auf got, folg denen fürsten nach,

die sein gerechte hand will, so du wilt, bewahren

zu der getreuen trost, zu der treulosen rach:

So laß nu alle forcht, und nicht die zeit, hinfahren,

 und got wird aller welt, daß nichts dan schand und schmach

des feinds meineid und stolz gezeuget, offenbaren.

Quelle:

Georg Rodolf Weckherlin: Gedichte, Leipzig 1873, S. 257-258

zur Gedichtinterpretation