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Unter den großen europäischen Nationen ist Deutschland und Italien gemeinsam, dass beide Nationalstaaten erst sehr spät entstanden.
Spanien (Spanien entstand als geeinter Staat im späten 15. Jahrhundert durch die Heiratsallianz von Isabella I. von Kastilien und Ferdinand II. von Aragón (1469/1479), was die beiden größten Königreiche vereinte.) , Frankreich (Die Geschichte Frankreichs als eigenständiger Staat beginnt um 831/832, als Kaiser Ludwig der Fromme (778–840) von seinen Söhnen entmachtet wurde.) , Portugal (Portugal entstand im 12. Jahrhundert als unabhängiges Königreich aus der Reconquista, der christlichen Rückeroberung der Iberischen Halbinsel von den Mauren.) , die Niederlande (Nach Zugehörigkeit zum Mittelreich, Ostfrankenreich und zum Heiligen Römischen Reich gilt das Jahr 1581 mit dem Plakkaat van Verlatinghe als Geburtsstunde der Vereinigten Niederlande) oder Großbritannien (Das Königreich Großbritannien entstand am 1. Mai 1707 durch den Zusammenschluss der Königreiche England und Schottland.) haben eine lange Nationalgeschichte.
Portugal und Spanien, England, Frankreich, die Niederlanden und Belgien prägten den europäischen Kolonialismus vom 15. Jahrhundert an.
Italien und Deutschand traten erst ab 1882 in den „Wettlauf um Afrika“ ein. Auf der Berliner Konferenz (1884/85) wurde der Kontinent ohne Rücksicht auf lokale Bevölkerungen aufgeteilt. Seit Gründung des Deutschen Kaiserreichs wurden in der Öffentlichkeit immer lauter Kolonien gefordert. 1882 gründete sich zum Beispiel ein Deutscher Kolonialverein mit dem Ziel, Werbung für ein deutsches Kolonialreich zu machen. Reichskanzler Otto von Bismarck lehnte diese Ideen sowohl aus wirtschaftlichen als auch aus sicherheitspolitischen Erwägungen ab. Italiens Kolonialismus begann in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts, kurz nach der italienischen Einigung (Risorgimento). Als Kernphase des imperialistischen Strebens gilt die Zeit ab den 1880er Jahren, wobei der offizielle Erwerb der ersten Kolonie im Jahr 1890 stattfand.
Italien wird als Staat 1861 gegründet. Die 1949 gegründete Bundesrepublik Deutschland stellt die jüngste Ausprägung des 1871 erstmals gegründeten deutschen Nationalstaats dar. Das Königreich Italien (italienisch Regno d’Italia) war ein Staat in Südeuropa, der von 1861 bis 1946 auf dem Gebiet der heutigen Italienischen Republik und Teilen derer Nachbarstaaten bestand. Während dieses Zeitraums war Italien (formal auch während der Zeit des Italienischen Faschismus von 1922 bis 1943) eine zentralistisch organisierte konstitutionell-parlamentarische Monarchie.
Erst 1970 wurden die 20 Regionen Italiens eingerichtet, und seitdem haben sie schrittweise mehr Autonomierechte erhalten. Von Beginn an fehlte jedoch eine gesetzlich geregelte Koordination zwischen den Regionen, was dazu führte, dass in vielen politischen und administrativen Bereichen ständige Konflikte zwischen den Regionen einerseits und zwischen den Regionen und dem Staat andererseits die Norm war (und ist). In Italien fehlt ein Organ, ähnlich dem Bundesrat in Deutschland, das den Regionen ermöglichen würde, Einfluss auf die nationale Politik zu nehmen und somit auch eine nationale Verantwortung zu übernehmen. Der italienische „Föderalismus“ sieht eher aus wie ein egoistisches Nebeneinander der Regionen.
Obgleich die italienischen Regionen im Vergleich zu den deutschen Ländern und (außer den Regionen mit Sonderstatus - siehe unten) in Bezug auf ihre finanziellen Ressourcen deutlich weniger politische und administrative Aufgaben übernehmen, hat der weitgehend unregulierte italienische Föderalismus zu einer erheblichen Verschuldung der Regionen geführt. Im Gesundheitswesen kommen den italienischen Regionen die weitreichendsten Autonomierechte zu. Es handelt sich außerdem um den Ausgabenposten von größtem Gewicht. Fünf der zwanzig Regionen haben aus historischen, kulturellen und linguistischen Gründen den Status "a statuto speciale" (mit Sonderstatut), was bedeutet, dass sie mehr Autonomierechte als die anderen besitzen:
Das Sonderstatut bietet vor allem eine größere finanzielle Autonomie: In Friaul Julisch Venetien behält die Region etwa 60 % der in ihrem Gebiet erhobenen Steuern und verwaltet das Steueraufkommen eigenständig. In Sardinien sind es 70 %, in Trentino-Südtirol und im Aostatal 90 % und in Sizilien sogar 100 %. Offiziell gibt es zwei zweisprachige Regionen: Trentino-Südtirol (mit den Sprachen Italienisch und Deutsch) sowie Aostatal (mit den Sprachen Italienisch und Französisch). In der Region Friaul Julisch Venetien existieren bedeutende linguistische Minderheiten (Slowenisch, Deutsch und Friulanisch, eine dem Rätoromanischen verwandte Sprache). Die wirtschaftliche Stärke der Region und die Lebensqualität ihrer Bewohner unterscheiden sich erheblich zwischen Nord und Süd, und trotz aller Anstrengungen in den vergangenen Jahrzehnten sind diese Unterschiede eher gewachsen als geschrumpft. Die norditalienischen industrialisierten Regionen sind wirtschaftlich deutlich stärker und wohlhabender als die süditalienischen landwirtschaftlich geprägten Regionen.
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