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„Schamlos reisen“ muss nicht erfunden werden! Unsere Rundreisegruppe kann es schon! Flugscham und Scham über unsere historische Schuld sind kein Thema! Hauptsache, wir haben tolle Plätze im Bus oder auf dem Kreuzfahrtschiff! In Namibia erleben wir das wie auf Rhodos, in Trondenes (Norwegen) oder in Polen. Aber bleiben wir bei einer Rundreise durch Namibia.
Wir waren im Oktober 2026 zum zweiten Mal dort, da uns eine erste Tour mit Berge und Meer im März 2025 (Namibia, Botswana & Simbabwe 16 Tage ab 3.999 Euro pro Person) gut gefallen hatte. Nun wollten wir noch eine Naturrundfahrt in der Namib-Wüste sowie die Bootstour in der Walvis Bay machen, wie sie u.a. trendtours anbietet (12-tägige Rundreise durch Namibia, Windhoek, Etosha-Nationalpark, & Sonnenuntergangsfahrten, Übernachtungen in Lodges nahe der Nationalparks für ca. 3000 Euro . Unser abschließendes Urteil war: Wir hätten lieber etwas mehr ausgeben und die Reise mit https://www.chamaeleon-reisen.de/Afrika/Botswana-Namibia/Okavango machen sollen. Diese Reise wäre etwas teuer gewesen (15 Tage Erlebnisreise für 5.199 Euro pro Person), doch unsere trendtours-eine-Woche-Reise war wie ein Kreuzfahrt mit dem Bus.
Wir haben schon verschiedene Rundreisen mit trendtours gemacht (Emilia Romagna, Jordanien..) und unser Urteil ist immer ähnlich:
- wenig kompetente und schlecht ausgebildete Reiseleitungen (eher autoritär wie schlechte Lehrer, wenig historisches und ökologisches Wissen, schecht organisiert),
- lange, sinnfreie Fahrten
- keine Nachhaltigkeit, kein durchdachtes Trinkgeldmanagement gegenüber den Menschen in den Gastländern
- man trifft auf ein sehr spezielles Bestager-Publikum (von der schwäbische Hausfrau, die immer die besten Plätze reserviert, bis zu den Kreuzschifffahrern, die einem bereits am ersten Tag sämtliche Länder nennen, in denen ihre Kreuzschiffe einmal geankert haben)
- straffe Zeitpläne („Ruckzuck-Besichtigungen“)
- Zusatzkosten vor Ort: Vorab günstige Grundpreise relativieren sich oft durch Aufpreise für Halbpension
- Qualität der Hotels: Unterkünfte liegen gelegentlich außerhalb oder entsprechen nicht immer gehobenen Ansprüchen (typisches „Günstigsegment“)
Am Beispiel unseres Besuches in Swakopmund, wo wir 2 Tage waren, möchte ich einmal erläutern, warum unser Aufenthalt wenig nachhaltige Einblicke vermittelt hat, was man schon ahnen konnte, wenn Namiba als Land vorgestellt wird, „wo Wunder und wilde Tiere zu Hause sind“. Bei allem muss klar sein, dass Deutschland gegenüber Namibia eine besondere Schuld hat:
Deutschlands besondere historische, moralische und politische Schuld gegenüber Namibia begründet sich im ersten Völkermord des 20. Jahrhunderts, den das Deutsche Kaiserreich während seiner Kolonialherrschaft beging. Zwischen 1884 und 1915 war das heutige Namibia als „Deutsch-Südwestafrika“ eine deutsche Kolonie. Als sich die einheimische Bevölkerung gegen die systematische Landnahme, Entrechtung und Unterdrückung auflehnte, schlugen die kaiserlichen Truppen die Aufstände mit beispielloser Brutalität nieder.Die Schuld im Einzelnen:
1. Der Vernichtungsbefehl gegen die Herero und Nama (1904–1908)
Nachdem die Herero im Januar 1904 einen Aufstand begonnen hatten, übernahm Generalleutnant Lothar von Trotha das Kommando über die deutschen Truppen. Er erließ im Oktober 1904 den berüchtigten Vernichtungsbefehl, der festlegte, dass jeder Herero innerhalb der deutschen Grenzen erschossen oder vertrieben werden sollte. Ein ähnlicher Befehl erging im April 1905 gegen das Volk der Nama.
2. Vertreibung in die Wüste und Konzentrationslager
Die überlebenden Männer, Frauen und Kinder wurden von deutschen Soldaten systematisch in die wasserlose Omaheke-Wüste getrieben und von den Wasserstellen abgesperrt, wo Zehntausende qualvoll verdursteten und verhungerten. Wer nicht in der Wüste starb, wurde in Konzentrationslager (wie auf der Haifischinsel vor Lüderitz) gesperrt. Dort starben die Gefangenen massenhaft an Unterernährung, Krankheiten und durch erzwungene Zwangsarbeit.
3. Das Ausmaß der Opfer
Historiker schätzen, dass dem Genozid bis zu 80 Prozent des Volkes der Herero (etwa 40.000 bis 65.000 Menschen) und rund 50 Prozent des Volkes der Nama (etwa 10.000 Menschen) zum Opfer fielen. Insgesamt starben schätzungsweise bis zu 100.000 Menschen.
Der heutige Umgang mit der Schuld:
- Anerkennung als Völkermord: Nach jahrzehntelangem Zögern hat die Bundesregierung im Jahr 2021 die Gräueltaten offiziell als Völkermord anerkannt und Namibia sowie die Nachkommen der Opfer formell um Verzeihung gebeten.
- Finanzielle Zusagen: Deutschland vereinbarte mit der namibischen Regierung ein Wiederaufbau- und Entwicklungsprogramm im Wert von rund 1,1 Milliarden Euro.
- Kritik und Debatten: Die Aufarbeitung bleibt hochemotional. Opferverbände der Herero und Nama kritisieren das Regierungsabkommen häufig als unzureichend, weil sie nicht direkt an den Verhandlungen beteiligt waren und formelle, völkerrechtlich bindende „Reparationen“ (statt reiner Entwicklungshilfe) fordern. Auch im deutschen Bundestag flammen die geschichtspolitischen Debatten um die koloniale Verantwortung immer wieder auf.
Über diese Schuld wurde während der gesamten
Fahrt NICHT GESPROCHEN!!!
Deshalb beginne ich mit einigen Beispielen des deutschen Rassismus und dem Hochmut der Deutschen aus der Vergangenheit, die es verbieten, die koloniale Vergangenheit touristisch zu verniedlichen oder zu trivialisieren.
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